In seinem Heimatortsteil Marzoll startete Oberbürgermeister Dr. Christoph Lung die Reihe der Stadtspaziergänge, die in den nächsten Wochen immer freitags ab 15 Uhr stattfinden wird. Bei der ersten Ausgabe konnte so Bilanz gezogen werden über Erfolge in den letzten sechs Jahren. Der Blick geht aber vor allem nach vorn: Dabei wurden wichtige Vorhaben und Ziele für die nächste Wahlperiode angesprochen.
Start des Rundgangs war zunächst am Kindergarten Marzoll. Dieser wurde im Jahr 2020 als Ersatz für den in die Jahre gekommenen alten Kindergarten neu errichtet. Kostenpunkt hierfür waren rund 2,2 Millionen Euro. Die „Schlossbergzwergerl“ fühlen sich in ihrem neuen Zuhause recht wohl. Neu hinzugekommen ist bei dem Neubau eine Krippengruppe, die es zuvor in Marzoll noch nicht gab. Nach Meinung der Teilnehmer ist die Anlage des Kindergartens sehr gelungen.
Die nächste Station beleuchtete die offene Ganztagesschule in Marzoll. Hierzu wurde der vormalige Kindergarten in Marzoll 2021 saniert und umgestaltet: „Das war ein Glücksfall für unseren Ort, der sich aber bald als zu klein herausstellen sollte“ meint Lung dazu. Denn die gute Arbeit der städtischen Mitarbeiter in der OGTS und die daraus folgende Nachfrage der Familien brach bald die kühnsten Erwartungen. So ist Bad Reichenhall aber für den kommenden Anspruch auf Ganztagesbetreuung bereits gut gerüstet: Ab 01.08.26 greift stufenweise ein Rechtsanspruch, der bereits heute mit einer relativ hohen Betreuungsquote erfüllt wird.
Auch zur Zukunft des Schulhauses gab Lung ein Bekenntnis ab: „Ich bin selbst hier zur Grundschule gegangen. Intakte dörfliche Strukturen sind ein Segen und gehören erhalten.“ Das bedeute, Schulhaus und Turnhalle zu erhalten und weiterzuentwickeln. Perspektivisch werden Sanierungen fällig, die aber einstweilen noch aufgeschoben werden können: In der Finanzplanung der Stadt finden sich dazu erst ab 2030 eingestellte Mittel.
Am Naturkindergarten Marzoll angelangt erinnerte Lung an die Betreuungssituation, die viele Eltern vor Herausforderungen stellt. „Zu Beginn der Wahlperiode hatten rund 100 Kinder keinen Betreuungsplatz. Darum haben wir zugesagt, uns für ausreichend Betreuungsplätze zu engagieren.“ Dass dies erfolgreich war, zeigt ein Blick auf den Naturkindergarten Marzoll: Hier sind 20 Betreuungsplätze zusätzlich entstanden. Beteiligt waren hier ausschließlich Reichenhaller Firmen, die für insgesamt rund 250.000 Euro zusätzliche Hütten bauten.
Am Fuße des Schlossbergs angelangt ging es um Schloss Marzoll: Dies hat im Ortsteil für lebhafte Diskussionen gesorgt. Dr. Christoph Lung stellte klar, dass die Stadt selbst weder über ausreichende Finanzmittel noch über eine sinnvolle Nutzungsmöglichkeit für das Schloss verfügen würde. So muss man froh sein, wenn Privatleute hier ihr erspartes Geld einsetzen. Die anstehende Sanierung des Schlosses ist für das Baudenkmal richtig und notwendig. Die angestrebte Nutzungsänderung in einen Gaststättenbetrieb nebst Ferienwohnungen sichert ab, dass die Öffentlichkeit künftig Zugang zum Schloss hat. Insgesamt gilt es, das landschaftsprägende Ensemble auch in Zukunft zu erhalten.
Einige Schritte weiter ging es um das Gesetz zur Beschleunigung des Wohnbaus und zur Wohnraumsicherung. Besser bekannt ist dies als Bau-Turbo, dessen Herzstück der neue §246e BauGB ist. Kurz erklärt bedeutet dies, dass künftig viele Bauvorhaben möglich sind, sofern nur die Gemeinde diesen aktiv zustimmt. Das erfordert aber auch eine Stellungnahme, ob und wie man diese Möglichkeit zur Geltung bringen wolle. Insbesondere in Marzoll sei angesichts der vorhandenen Siedlungsstruktur mit einigen Anträgen zu rechnen.
Dr. Christoph Lung nimmt für seine Person eine klare Positionierung vor: „Ich stehe für eine bürgerfreundliche Anwendung dieser neuen Möglichkeit. Wir wollen keine Spekulation mit Grund und Boden, dafür aber eine vernünftige Siedlungsentwicklung. Pragmatismus ist gefragt!“ Mit dem Bau-Turbo könne sicherlich dem ein oder anderen ermöglicht werden, für seine Familie oder die eigenen Kinder Wohnraum zu schaffen. Das sei zu begrüßen.
An der Feuerwache angelangt, erklärte Dr. Christoph Lung, warum ein Neubau nötig ist. Zugleich zeichnete er die erfolgten und die noch folgenden Schritte nach: Mit der Aufstellung des Feuerwehrbedarfsplans 2023 war klar, dass Marzoll ein neues Feuerwehrhaus braucht. 2024 sei per Stadtratsentscheid ein Grundsatzbeschluss dazu erholt worden, 2025 folgte der Aufstellungsbeschluss zur Bauleitplanung. In 2026 sehe der Haushaltsentwurf 250.000 Euro für die Planungskosten vor, damit in 2027 gebaut werden könne. In der Finanzplanung seien überdies für das Ende der nächsten Wahlperiode zwei Fahrzeug-Ersatzbeschaffungen in Marzoll vorgesehen. Dazu gilt: Die CSU und ihre Stadtratskandidaten stehen zur Feuerwehr und dem freiwillig geleisteten Dienst an der Gesellschaft. Dies muss sich auch in angemessener Ausstattung für die Feuerwehr zeigen.
Abschließend ging es um das Thema Gewerbeentwicklung. Dr. Christoph Lung bekannte sich dazu, dass Leben und Arbeiten am Land möglich sein muss. Als Erfolge bezeichnete er gelungene Erweiterungen von örtlichen Gewerbebetrieben wie der Zimmerei Hauthaler oder der Firma Reber. Das strittige Thema Türk-West sei leider noch nicht zu Ende gebracht und müsse zu einem friedlichen Abschluss kommen. Zugleich bekannte sich Lung zu den örtlichen Handwerksbetrieben, von denen gerade einige Flächen suchen: „Deswegen setze ich mich in der nächsten Wahlperiode für einen Handwerkerhof ein. Trotz Flächenknappheit muss es möglich sein, dass wir jungen Betrieben eine Heimat bieten.“ So müsse die Stadt Flächen ausweisen, die dann ggf. unter Kooperation mit dem Wirtschaftsservice vergeben werden könnten.




